Notfallseelsorge äußert sich zum Konsultationsprozess
des Erzbistums Paderborn


Notfallseelsorge im Erzbistum Paderborn – Dienst der Kirche für Feuerwehr, Rettungsdienst und Gesellschaft



Mit der Vorstellung der „Pastoralen Perspektiven 2014“ der Kirche von Paderborn unter dem Titel „Auf Dein Wort hin werfen wir die Netze neu aus“ hat der Erzbischof von Paderborn Hans-Josef Becker am 30.10.2004 zu einem „Konsultationsprozeß“ aufgerufen, um die pastoralen Konturen auf die Zukunft hin zu präzisieren und zu aktualisieren. Die „Fachberater Seelsorge der Feuerwehr“, früher bekannt als Feuerwehrseelsorger, und die Notfallseelsorgerinnen und –seelsorger der Erzdiözese wollen sich an diesem Suchprozeß beteiligen und hiermit das Profil ihres Dienstes aufzeigen.

Eingehend sei erwähnt, dass seit Januar 2001 die „Fachberater Seelsorge der Feuerwehr“ von seiten der Erzdiözese und der örtlichen Feuerwehren ernannt werden und ihren Dienst versehen in der Begleitung der Mitglieder der Berufs- und Freiwilligen Feuerwehren und der örtlichen Rettungsdienste. Diese Form der Seelsorge ist eine „Helferseelsorge“, eine seelsorgerliche Unterstützung der Menschen, die beruflich oder freiwillig Bürgern unseres Landes in den Schrecken eines Brandes, eines Verkehrs- oder häuslichen Unfalls helfen.

Gleichzeitig vollziehen den Dienst der Notfallseelsorge in sämtlichen Landkreisen innerhalb des Erzbistums seit ca. 10 Jahren Priester, Diakone und Gemeinde-referentinnen und –referenten als hauptamtliche kirchliche Mitarbeiter freiwillig neben ihrer Haupttätigkeit in den Gemeinden. Ihnen zur Seite stehen in den Notfall-seelsorgegruppen und –systemen der Landkreise und Städte zahlreiche in der Notfallseelsorge ausgebildete ehrenamtliche und freiwillige Mitarbeiterinnen und –mitarbeiter in dieser Pastoral an Opfern und Geschädigten. Beide Arten der Seelsorge sind sich am Evangelium orientierende und damit immer zeitgemäße, moderne Formen der Begleitung von Menschen in Krisensituationen in Verbindung mit dem modernen Apostolat des Zeugnisgebens vom christlichen Glauben in der zunehmend säkularisierten deutschen und europäischen Gesellschaft. Notfallseelsorge erwächst aus der diakonischen Verantwortung eines jeden Christen und einer christlichen Gemeinde für den Nächsten, insbesondere für den durch Unfall, Verletzung und Tod belasteten Menschen. Sie ist Begleitung und Beratung im Lichte des Evangeliums vor dem Hintergrund unseres christlichen Menschen- und Weltbildes in ureigenster christlicher Verantwortung, dem Menschen in Not beizustehen. Der Erzbischof betont in seiner Analyse der gegenwärtigen pastoralen Situation, dass „der Einsatz für die Armen und Benachteiligten unserer Gesellschaft … gerade in Zeiten sozialer Umbrüche … dringend notwendig“ (Pastorale Perspektive 2014) ist. Die „psychosoziale“ und seelsorgerliche Unterstützung des armen „Menschen in Notlagen“ (ebd.) und persönlicher Krise ist ein Kennzeichen der Arbeit der Notfallseelsorge.
Die bisher ehrenamtlichen Notfallseelsorger und die „Fachberater Seelsorge der Feuerwehr“ sind für die Feuerwehrleute und die im Rettungsdienst Tätigen Gesprächspartner und Begleiter, die in den speziellen Lebenslagen und Einsatzsituationen Orientierung durch den Glauben und Hilfe aus dem Geiste des Evangeliums bieten. Der Seelsorger ist oftmals Anstoß für lebenskundliche und religiöse Fragen im säkularen Umfeld. Dieser „Dienst der Kirche an und Feuerwehr und Rettungsdienst“ wird dankbar angenommen und auch zukünftig eingefordert werden. Kirche ist nach wie vor ein verlässlicher Partner in ethischen, sozialen und persönlichen Lebensfragen und ist vom Landesfeuerwehrverband, den Verantwortlichen in den Landkreisen wie von den Mitarbeitern/innen gewollt und gewünscht. Die vorhandenen Seminarangebote der freiwilligen Fortbildung in Notfallseelsorge und „psychosozialer Unterstützung“ durch die Notfallseelsorge werden angenommen und reichen aufgrund der großen Nachfrage nicht aus.
Eine Pastoral der Zukunft sollte daher unserer Erfahrung nach zielgruppen- und gemeindeorientiert sein, oder, wie es unser Erzbischof formuliert: „die Pastoral der Gemeinden, der Pastoralverbünde, der Einrichtungen und speziellen Dienste sowie die Seelsorge an besonderen Zielgruppen müssen noch stärker aufeinander abgestimmt werden“ (Pastorale Perspektive 2014). Zielgruppenorientierung und –Begleitung geschieht auch im Beistand für Feuerwehr und Rettungsdienst. Die Notfallseelsorge ist eine darüber hinaus notwendige, caritative Aufgabe der Gemeinden und Pastoralverbünde, damit „Kirche-Sein …an verschiedenen Einsatzorten zur Entfaltung“ (ebd.) kommen kann und „menschliches Leben“ geschützt und „wo Not ist, helfend“ (ebd.) begleitet werden kann.
Notfallseelsorge ist missionarisch präsent in unserer Gesellschaft durch den Dienst der Erteilung des „berufsethischen Unterrichts“ in der Aus- und Fortbildung von Feuerwehrleuten und Rettungsdienstlern durch Notfallseelsorger/innen, wie auch durch die begleitende Seelsorge vor, während und nach Einsätzen, wenn der „Fachberater Seelsorge“ oder der Notfallseelsorger zur psychosozialen und seelsorgerlichen Unterstützung der Rettungskräfte oder traumatisierter Opfer gerufen wird. Als „missionarische Kirche mit Gottes Geist die Welt mitgestalten“ (ebd.) heißt dann auch, die Notfallseelsorge als diakonalen und katechetischen Dienst in der speziellen Lebenswelt der Feuerwehr und des Rettungsdienstes zu betrachten und zu fördern, als Pastoral an der Kirche oft fern stehenden Menschen, die außerhalb von Gemeinden und Pastoralverbünden durch die Notfallseelsorge dem Anspruch der Botschaft Christi begegnen. Wenn unser Erzbischof nach Prioritäten pastoralen Handelns fragt, dann eben auch in der Pastoral an Menschen, die eine besondere berufsbezogene ethische Verantwortung für unsere Gesellschaft innehaben. Diese bewusst wahrgenommene Verantwortung als Christ in Rettungsdienst und Feuerwehr kann zu einem verstärkten Engagement der Helfer in Kirche und Gesellschaft führen. Eine weitere Priorität sieht unser Erzbischof in der Verantwortung der kirchlichen Mitarbeiter für Sterbende, die „unsere Gemeinschaft und Verbundenheit erfahren“ (ebd.) sollen. Ihre „Angehörigen wollen wir in der persönlichen seelsorglichen Begleitung und Hilfestellung zuverlässige Wegbegleiter sein“ (ebd.). Notfallseelsorge erfüllt gerade diesen Dienst als originär kirchliche Aufgabe der Gemeindepastoral.

Wenn Pastoral der Zukunft zumindest ansatzweise unsere Gesellschaft mit Fernstehenden ansprechen und erreichen soll, wäre es sinnvoll, auch weiterhin in Feuerwehr, Rettungsdienst und als Notfallseelsorge der Ortsgemeinden präsent zu sein als gutes „Aushängeschild“ kirchlichen Dienstes für die Menschen. Daher sollte in jedem Landkreis und in jeder kreisfreien Stadt eine Gruppe von Seelsorgern und -innen für die Notfallseelsorge zur Verfügung stehen, um eine lokale Ansprechbarkeit zu gewährleisten. Unsere Notfallseelsorger leisten durch ihre ehrenamtliche Tätigkeit einen freiwilligen und zusätzlichen Dienst für die Kirche, der in der Kirche verstärkt Anerkennung finden müsste. Ein notwendiger Schritt dahin wäre die offizielle Ernennung der Notfallseelsorger/innen von seiten des Erzbischofs oder des Generalvikars. Wenn Notfallseelsorge weiterhin effektiv sein soll, dann müssten auch zukünftig die personellen und finanziellen Ressourcen bereitgestellt werden und die Information über den Dienst der Seelsorge in Feuerwehr und Rettungsdienst, bzw. die Notfallseelsorge in der theologischen und pastoralen Ausbildung der Priester, Diakone und Gemeindereferenten Eingang finden. Der Dienst der Notfallseelsorge als Dienst der Kirche in ökumenischer Verantwortung für Opfer, Geschädigte, Angehörige und Helfer kann folgende Bereiche umfassen:
Notfallseelsorge als „einladende Pastoral“ (ebd.) wagt sich in „kirchenfremde Räume“ (ebd.) und sucht innerhalb von Feuerwehr und Rettungsdienst „mögliche Felder pastoralen Handelns“ (ebd.) in den Orten, „wo Menschen arbeiten und leben“ (ebd.).
Die Notfallseelsorger entwickeln weiterhin die „Einsatzprofile“ (ebd.) ihres pastoralen Dienstes im Konsultationsprozeß der Erzdiözese und treten hiermit gerne in den Dialog mit unserem Erzbischof und seinen Beratern.

Stukenbrock, im Februar 2005